Verloren in der Selbstverständlichkeit

Manche müssen erst denken, um zu schreiben. Ich schreibe, um denken zu können.

Den ganzen Tag bin ich geistig beschäftigt, aber wirklich nachdenken, kann ich nur, wenn ich schreibe. Vieles wurde mir erst wirklich bewusst, als ich darüber schrieb Und nicht selten passiert es mir, dass ich erst nach Monaten eine Textpassage wirklich verstehe, die ich selbst geschrieben habe.

Ich neige dazu, eine kleine Verbesserung in meinem Umfeld als Erfolg anzusehen. Allerdings muss ich lernen zu akzeptieren, dass kleine Veränderung nicht von Dauer sind. Sie sind ein kurzes Aufbäumen, um sich besser zu fühlen, aber keine dauerhafte Option. Das ist schade. Der Schein zählt in dieser Welt mehr, als die ehrliche Absicht.

Aber wie viel können wir erreichen, wenn wir nur auf uns hören und unser Umfeld ausblenden? Wir tun so viel für andere Menschen, aber haben vergessen, dass wir auch Wünsche haben.

In "Wicked" heißt es:

"Gib auf. Lass los. Manche Wünsche schmerzen bloß."

Ja, das stimmt. Es betrifft aber nur solche, die wir uns von anderen wünschen. Was ist mit den Wünschen, die wir uns selbst erfüllen können? Warum tun wir es nicht einfach? Weil wir dann egoistisch erscheinen? Vielleicht, aber seit wann haben wir kein Recht mehr dazu, genauso viel für uns selbst zu tun, wie für andere?

Ich habe vor einiger Zeit gesagt, dass ich die Veränderung sein will, die ich in der Welt sehen will. Aber ich habe nie realisiert, dass ich auch die Veränderung sein kann, die ich in meinem nächsten Umfeld sehen will. Ich habe unendliche Stunden damit verbracht auf Worte und Taten zu warten, die niemals kommen werden. Ich habe aber nie selbst festgestellt, dass ich diejenige sein kann, die genau sagt, was ich jetzt brauche und genau im richtigen Moment eingreift, um die Sonne am untergehen zu hindern.

Es ist schwierig. Es ist sehr schwierig, weil wir nur zu gerne unsere Umwelt für unser Unglück verantwortlich machen, aber Glück ist kein Zustand, sondern eine Entscheidung und manchmal müssen wir wirklich unsere Wünsche loslassen, damit andere blühen können.

Wir tun so viel dafür von Menschen beachtet zu werden, denen wir egal sind. So unendlich viel, dass wir in der Selbstverständlichkeit verschwinden.

Wir haben das "Nein"-Sagen verlernt, weil wir fürchten nicht mehr geliebt zu werden. Wir schreien innerlich und lächeln nach außen, während wir nach schrillen Pfeifen tanzen, wie ein gut dressiertes Äffchen.

Und jetzt? Wir können warten, bis sich die Menschen ändern. Eher werden wir eine Kugel dazu bringen bergaufwärts zu rollen. Also können wir nur uns selbst ändern. Die Menschen, die uns wirklich lieben, werden unser "Nein" akzeptieren und alle anderen sollten nicht unseres Inneres berühren.

Ein Schiff sinkt nicht, weil es von Wasser umgeben ist. Ein Schiff sinkt, weil zu viel Wasser in es eindringt.

Das dürfen wir nicht zulassen. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich anderen etwas schenke. Warum habe ich dann eins, wenn ich mir selbst dasselbe schenke?

Die Neuauflage der Trilogie war so ein Wunsch. Es steckt viel Arbeit und viel Zweifel in diesem Projekt und ich weiß nicht, ob es annähernd sinnvoll war, aber es fühlt sich richtig an. Kein Wanken, kein Straucheln hätte mich davon abgehalten. Ich freue mich auf den Verkaufsstart. Ich freue mich darauf mit Euch zu diskutieren.

Und doch ... trotz klarer Sicht und der Erkenntnis, dass es gut und richtig ist, auch für seine eigenen Wünsche einzustehen, fehlen mir oft die Menschen, die Bedeutung des Schreibens und Helfens für mich niemals verstehen werden.

Ja, stark sein bedeutet, allein zu kämpfen, aber ich hatte immer gehofft, dass ich diese Stärke nicht brauche.

Heute weiß ich, dass ich diesen Weg gehen muss und am Ende werden nicht nur Antworten, sondern auch die wirklich wichtigen Menschen sein, denn diese werden auf mich warten, egal wie lange ich umherwandere. Und sollte ich mich irren, wird auch dies eine neue Erfahrung.

"Wir haben uns nie verlaufen. Wir haben uns ab und zu verrannt" singt Phillip Dittberner in seiner aktuellen Single "Leben". Rückblickend betrachtet, trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf.

Wir werden sehen, welch wunderschöne Blumen wir abseits des Weges entdecken.

Einen schönen Abend Euch allen

15.12.15 21:43, kommentieren

Die Magie der Musik und des geschriebenen Wortes

Kennt Ihr das, wenn ein Musikstück untrennbar mit einer Wandlung verbunden ist?

Es gab viele Momente in meinem Leben, die mit Musik verschmolzen sind und mich immer wieder daran erinnern. Kürzlich hat sich eine extreme Wendung in meinem Leben ergeben und auch dieses Mal stand mir ein ganz gewissen Musikstück zur Seite:

Men of Honor - Two Steps from Hell

Manchmal kommt mir Musik wie ein Weckruf für die inneren Kräfte vor. Diese eigenartige Wärme macht sich dann in einem breit und verschlingt alle Ängste und Zweifel, als wären sie plötzlich vollkommen machtlos. Es gibt nur noch den Moment und diesen schaurig-schönen Schmerz, den nur Musik verursachen kann. Das sind die seltenen Momente, indessen alle Dämonen schweigen und man sich selbst zulächelt.

Jeder einzelne von uns ist so stark, aber wir bemerken diese Stärke gar nicht. Wir sehen nur, wie wir täglich scheitern, aber nicht, welchen Berg wir schon erklommen haben und ... wir sind immer noch hier.

Jedes Mal, wenn ich wieder mit dem Gesicht im Dreck lag und alles in Frage stellte, war es die Musik, die meine Hand vor dem Abgrund ergriff. Leid, Hoffnung, Freude ... immer war es Musik, die irgendwie genau verstanden hatte, wie ich mich gerade fühlte und was ich diesen Momenten brauchte. Manchmal spendete sich Trost, teile meine Verzweiflung oder hat mir einen ordentlichen Tritt versetzt.

Einzelne Textpassagen meiner Bücher wären ohne die entsprechende musikalische Untermalung in dieser Form nicht entstanden. Für diese so bedeutende Unterstützung geht ein Dank an

-Two Steps from Hell- und -David Robidoux-

Viele Songs haben mich tiefgreifend beeinflusst und manchmal hat eine einzige Aussage gereicht, damit ich einen Anstoß für eine Veränderung hatte. Ich bedauere die Menschen sehr, die ihr Herz verschlossen haben und dieses erhabene Gefühl über alles Leid, welches man sich selbst auferlegt hat, nicht fühlen kann. Dieser Moment, indem man körperlich spüren, dass sich eine Tür geöffnet hat und ungeahnte Energie freigesetzt wird. Diejenigen, die meine Liebe zur Musik teilen, werden genau wissen, wovon ich schreibe.

Ja, das Schreiben ... auch ein Befreiungsschlag und ein Traum mit der richtigen Musik. Ich werde oft gefragt, warum ich so wenige lustige Sachen schreibe. Es ist eine gute und berechtigte Frage. Vielleicht, weil die Dunkelheit in mir immer noch federführend ist, aber wenn ich dann darüber nachdenke, ist es nicht das Dunkle, dass sich in meinen Texten widerspiegelt, sondern das Licht, dass durch die Mauern bricht.

Franz Kafka hat in seinen Briefes etwas ganz Wundervolles gesagt:

“Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”

Bis heute sprechen mir diese Worte aus der Seele. Vielleicht ist es einfach mein Blick hinter die Fassaden der Menschen, der es mir unmöglich macht eine witzige und ausschließlich fröhliche Geschichte zu schreiben.

In dem Song "Schlaflied" von Eisblume heißt es:

"Schließ die Augen ... lausch den Lügen...alles was ich dir erzähl... sind Märchen nur vom Glück"

Glücklich? Ja, objektiv betrachtet bin ich gesegnet. Ich bin frei in meinem Willen und meinem Handeln. Aber ich kenne so viele, denen es so viel schlechter geht, als mir heute. Und dieses Wissen kann ich nicht ausblenden und ich halte es für meine Pflicht zumindest über solche Schicksale zu schreiben und das ewige Schweigen um Missbrauch, Unterdrückung und Menschenhandel zu durchbrechen. Meine Bücher sind hart und manchmal ziemlich eisig, aber das ist die Realität auch, aber die Schatten liegen hinter einem, wenn man sich der Sonne zuwendet. Es gibt nicht nur Tod und Verzweiflung in meinen Texten, sondern auch Hoffnung und brennenden Mut, etwas zu verändern.

Ja, vielleicht gelingt mir mit "Nackt mit Hausschuhen" mal eine andere Art von Roman, aber auch hier, wird es sich wohl etwas Gesellschaftskritik nicht leugnen lassen. Wir werden sehen...

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Ich freue mich besonders, über den netten Kontakt mit dem Verein "Gemeinsam gegen Menschenhandel" und über eine eventuelle Partnerschaft. Aus derzeitigem Anlass zum Abschluss den Spot zur neuen Kampagne gegen Menschenhandel:


Gemeinsam gegen Menschenhandel - Kinoclip

10.12.15 18:59, kommentieren