Selbstreflexion

Before you diagnose yourself with depression or low self-esteem, first make sure that you are not, in fact, just surrounded by assholes. – Sigmund Freud

Ich habe schon überlegt, ob ich auf die Frage:

"Und wer sind Sie?"

antworten sollte:

"Schuld. Immer."

Ich habe die dumme Angewohnheit alle Menschen erst einmal ernst zu nehmen (meist auch über einen viel zu langen Zeitraum). Mit all ihren Taten und Worten. Sie werden schon gutdurchdachte Gründe (haha) Jede Interaktion löst daher unmittelbar eine Selbstreflexion aus. Ich bin allerdings dazu übergegangen die Intensität der kritischen Selbstbetrachtung erheblich herabzusetzen.

Es ist wichtig, sein eigenes Denken und Handeln kritisch zu hinterfragen, denn nur so kann man wachsen. Leben heißt lernen. Und bei genauer Betrachtung würde man sich wundern, wie viel man im Laufe der Zeit über sich selbst lernt.

Es gab eine Zeit, da dachte ich wirklich, dass mein Verhalten, meine Person, eigentlich alles, was ich bin, die Menschen in entsprechend auf mich reagieren lässt.

Missverstanden, ausgenutzt, benutzt, ignoriert, beschimpft, allein gelassen, gedemütigt ... Eine ellenlange Liste von Erinnerungen an Interaktionen mit anderen Menschen in meinem Leben.

Dann stellte ich eines Tages fest:

Ich bin gar nicht das Problem. Die Menschen in meinem Umfeld verhalten sich tatsächlich so (Verzeihung) ... beschissen.

Diese Erkenntnis heilt angebliche Depressionen oder mangelndes Selbstbewusstsein mit einem Schlag. Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner Selbst bewusst sein. Sicherlich werde ich mich immer hinterfragen, denn das ist ein Charakterzug und in gesunder Dosierung auch ausgesprochen wichtig, aber ich bin sicherlich nicht für alles und jeden verantwortlich.

Und mit einem Tag auf den anderen, hatte ich mir plötzlich ein Schutzschild geschaffen gegen Pfeile, die mich bisher unaufhaltsam getroffen hatten. Es ist schwieriger geworden, mich zu verletzen. Ich habe mir eine Sicherheitsschleuse gebaut, die einem Großteil negativer Belanglosigkeiten den Zutritt verweigert. Ich bin noch lange nicht in der Lage, Negatives auszublenden, aber ich kann negative Gefühle viel schneller weiterziehen lassen und mich wieder Dingen widmen, die mich glücklich machen.

Leider muss ich mir eingestehen, dass es immer noch viele Menschen gibt, die weiterhin einen "First-Class"-Zugang haben und deren Taten und Worte weiterhin ungefiltert auf mich einprasseln.

Wer bei mir sein will, wird mir dies zeigen.

Die Menschen, die mich ignorieren, werden mich lehren, ohne sie zu leben.

Heute kann ich still darüber lächeln, dass "fremde" Menschen (meint: nicht engster Familien- und Freundeskreis) mehr über die Dinge wissen, die mich aktuell bewegen oder die ich gerade tue, als die Menschen, die mir nah stehen.

Es würde mich wundern, wenn sie überhaupt von der Existenz dieses Blogs wüssten oder von der Neugestaltung der Bücher, geschweige denn, sie gelesen hätten.

Scheitern bedeutet nur, dass man es noch versucht, aber manchmal muss sich auch entscheiden, ob man es stärker versucht, oder einfach loslässt.

Ich bin viel zu oft gegen eine Mauer aus kaltem Stein gelaufen und jetzt muss ich mir eingestehen, dass ich dieses Desinteresse nie akzeptiert und bis zur Erschöpfung gekämpft habe. Ich wollte nicht verstehen, dass die Dinge, die mir die Welt bedeuten, von anderen nur Müde belächelt werden. Gerade, wenn man umgekehrt, selbst für die belanglosesten Dinge immer ein offenes Ohr hat. Warum? Genau, weil sie den Menschen, die man liebt, etwas bedeuten und sie damit automatisch auch für mich wichtig werden. Für mich ... Richtig. Ich muss aufhören zu glauben, dass die Menschen mich so behandeln, wie ich sie behandle.

"Es gibt zwei Gründe, warum Menschen nicht mehr über gewisse Dinge sprechen: Entweder sie bedeuten ihnen nichts, oder einfach alles."

Jetzt spielt es für mich keine Rolle mehr. Mein Kampf an dieser Front ist verloren, aber ich habe eine neue Erkenntnis gewonnen.

Ich danke diesen Menschen. Sie haben mir gezeigt, wie ich nicht werden will. Und nein, ich werde ihnen meine Aufmerksamkeit für ihre Anliegen nicht entziehen.

"Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein" (Ghandi)

Aber ich werde ihren Wunsch beherzigen und sie mit meinen Ideen und Entwicklungen nicht mehr langweilen. Wem ich wirklich etwas bedeutete, wird mein Schweigen hören und wissen, wo er mich findet.

Ich freue mich sehr, auf kommende Projekte, Erfolge, Erfahrungen. Danke, dass ihr diese Momente mit mir teilt.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Sonntag ...

22.11.15 14:42

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