Find yourself

»When you find yourself ... In some far off place ... And it causes you ... To rethink some things ... You start to sense ... That slowly you're becoming someone else ... And then you find yourself ... And you wind up lost ... And it's the best thing that could happen ... 'Cause sometimes when you lose your way ... It's really just as well« (Brad Paisly . Find Yourself)

In den Stunden, in denen man das Leben verneint ... diese Momente der absoluten Sinnlosigkeit des Seins, sind eine Chance für diejenigen, die die Sonne auch durch die schwärzesten Wolken sehen, weil sie wissen, dass sie da ist. Manchmal sind es genau diese Augenblicke, die uns einlenken und neue Wege erkennen lassen.

Manchmal ist ein totaler Absturz überlebenswichtig, weil wir nicht gemerkt haben, wie sehr wir Raubbau mit unseren eigenen Kräften getrieben haben. Dann zwingt uns unsere eigene Seele in die Knie. Nicht weil sie schwach ist, sondern weil sie uns zeigen will, wie sehr sie uns braucht, um stark zu sein. Und dann passiert etwas Wunderbares: Wir finden uns wieder selbst, indem wir feststellen, dass wir die ganze Zeit neben uns standen und Kleinigkeiten erhebliche Macht über uns gegeben haben. Wir hatten das Wesentliche total aus den Augen verloren und nur noch all das Negative lag wie ein Felsen auf unserer Brust.

Ich glaube, wenn man dieses Gefühl kennengelernt hat, entwickelt man ein anderes Verhältnis zum Leben und zu den Dingen, die wirklich wichtig sind.

In »Im Regen verbrannt« heißt es:

»Mir war nicht bewusst, wie kostbar die Kleinigkeiten des Lebens sind. Ich hatte bei all meiner Arbeit, bei all meinem Geld vergessen, woher ich komme. Ich bin von Termin zu Termin gehetzt, ohne auch nur einmal stehen zu bleiben und in den Himmel zu schauen und durchzuatmen. Immer nur Geld und Erfolg. Sonst zählte gar nichts. Natürlich habe ich in meiner Pflegefamilie und in der Psychiatrie viele Einbußen erfahren, was Freiheit und materielle Dinge angeht, aber ich konnte meine Grundbedürfnisse decken. Hier dagegen wurde ein Tropfen Wasser aus der feuchten Wand zum angebeteten Heiligtum. Ich bin bis heute so dankbar für jede warme Dusche, für jede Flasche Wasser, für meine Bettdecke. All diese Selbstverständlichkeiten sind für mich kleine Wunder geworden. Die Menschen wissen gar nicht, wie glücklich sie sich schätzen können morgens aufzustehen, zu duschen und etwas zu essen im Kühlschrank zu finden. Mein Leben hat sich verändert. Ich bin glücklicher und zufriedener geworden. Der Verlust von materiellen Dingen schmerzt schon lange nicht mehr. Und ich mache schamlos von meinem Recht auf Entfaltung der eigenen Persönlichkeit Gebrauch. Wenn man frei ist und alle Möglichkeiten hat, dann sollte man sie auch nutzen. Denn Freiheit ist nicht selbstverständlich und ein Stück altes Brot und ein Glas Wasser können manchmal genau so große Verzückung auslösen, wie ein Hummer und Champagner. Es geht nicht um den Wert, den die Sachen uns vorgaukeln zu haben, es geht um den Wert, den wir den Dingen geben. Es spielt keine Rolle, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Wichtig ist, dass man ein Glas hat und das irgendetwas darin ist.«

Nicht das Problem ist das Problem, sondern unsere eigene Einstellung zu unserem Problem. Wir entscheiden selbst, wie viel Macht wir einem Menschen oder einer Situation über uns geben. Und mit ein bisschen Abstand erscheint alles plötzlich ganz klein.

Ich habe zu viel erlebt, gesehen und gehört, um mich über Kleinigkeiten aufzuregen. Ich bereue nichts mehr. Ich lache nur manchmal über mich selbst. Und immer wenn mich der alte Trott versucht zu greifen, weiche ich ihm einfach aus.

Heute haben sich neue Herausforderungen angekündigt und passend zu einer kälter werdenden Atmosphäre, fallen nun auch die ersten Schneeflocken des Jahres vom Himmel. Aber wir wären nicht wir, wenn wir das Eis nicht zum Schmelzen bringen könnten.

24.11.15 20:37

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